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Das Backspiel

Wir sprechen von einer Zeit, in der noch in fast jedem Haus selbst Brot und samstags oder zu Feiertagen auch Kuchen im Dorfbackhaus gebacken wurden.

Dabei ging es nicht ohne gewisse Regeln. Jeden Sonntag, unmittelbar nach dem Gottesdienst, traf man sich reihum bei einem Teilnehmer der Backgemeinschaft, um festzulegen wer wann das Backhaus in dieser Woche benutzen konnte. Grundsätzlich musste Derjenige am Montag „anbacken“ der das Backspiel hatte. Er war für die Reinigung  des Backhauses verantwortlich und durfte dafür die Holzkohle der vergangenen Woche mit nach Hause nehmen. Die fand im Garten Verwendung oder wurde teilweise den Schweinen unter das Futter gemischt.

Zum Backspiel gehörten ein Kästchen mit Holzblättchen, auf denen Nummern vermerkt waren, sowie eine kleine Schiefertafel mit Griffel.
Soweit Platz vorhanden war setzte man sich um den Tisch, meist in der „guten Stube“, die Übrigen standen im Zimmer und jeder trug seine Wünsche vor, wann er backen wollte. Die Reihenfolge für jeden einzelnen Tag wurde auf dem Täfelchen vermerkt. Konnte man sich nicht einigen, entschied das Los. Dazu warf man die Zahlenblättchen in einen Hut, die dann von einem Unbeteiligten gezogen wurden. Dabei ging es oft recht lebhaft zu.
Samstags gab es meist nur ein oder zwei „Brotbäcker“, die restliche Zeit war für das Backen von Kuchen zum Sonntag bestimmt. Hier schlossen sich oft mehrere Interessenten zu einer Gruppe zusammen. Häufig waren es bis zu acht Partien. Besonders turbulent wurde es in der Weihnachtszeit, wenn die Plätzchenbäckerei für die Feiertage anstand.
Wollte man während der Woche Kuchen für einen Geburtstag oder einen anderen feierlichen Anlass backen, fragte man die Betreffenden ob man mitbacken könne. 
Natürlich bestand auch die Möglichkeit untereinander zu tauschen, wenn etwas Unvorhergesehenes eintrat. Die Änderungen mussten aber auf der Tafel vermerkt werden, damit immer der aktuelle Plan eingesehen werden konnte.

Karl Luft - Historisches