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Schlittenpartie

Lauterbacher Anzeiger

(erschienen 13.1.1914)

 

bsr. Rixfeld (Ein Schlittenabenteuer im Vogelsberg.)

 

Zwei biedere Meister aus einem benachbarten Orte im Vogelsberg wollten zwecks Abrechnung nach St. (anm. Stockhausen) Um dahin zu gelangen, mieteten sie sich einen Fuhrmann mit Schlitten. Als die Geschäfte erledigt waren, beschlossen sie, um die schöne Bahn auszunutzen, auf einem kleinen Umweg über Schadges – Rixfeld wieder nach der Heimat zu fahren. In heiterer Stimmung fuhren sie bis nach Schadges, wo sie aus Versehen vom Weg abkamen und in eine Miststätte gerieten. Hier hatten sie das Malheur, daß ihnen die Deichsel brach. Ein gastfreundlicher Landwirt besorgte ihnen für ein kleines Trinkgeld eine neue Deichsel und wies sie auf den rechten Weg nach Rixfeld. Dort glücklich angekommen, machten sie bei einem Gastwirt halt, um sich zu erholen. Nach der Erfrischung beschloß man, den Heimweg anzutreten. Jedoch als der Fuhrmann vor dem Gasthaus anfuhr, hatte man wieder das Malheur, dass der hintere Sitz abbrach und die beiden Insassen einen kühnen Salto schlugen. Aber kurz besonnen wurden die zerbrochenen Teile wieder auf den Schlitten gelegt, aufgesessen und weiter gefahren. Kaum zehn Schritte gefahren, verlor der Fuhrmann einer seiner Gefährten. Nichts ahnend, fuhr man weiter, bis nach kurzer Strecke eine Karambolage mit einem Gartenzaun erfolgte, wobei wiederum die Deichsel brach und der zweite Insasse unfreiwillig aus dem Schlitten befördert wurde. Da nun der Schlitten geflickt und die zerbrochene Deichsel durch eine neue ersetzt werden musste, wurde das Pferd eingestellt und die Reparatur von hiesigen Burschen in liebevoller Weise besorgt. Als die Reparatur beendet war, spannten hiesige Bürger den drei Reisenden das braune Pferd vor den Schlitten, worauf nun die ersehnte Heimreise angetreten wurde. Aber wiederum war ihnen Fortuna nicht hold. Kaum 50 Meter vom Gasthaus entfernt, trabte das auf unkundigen Wegen befindliche Pferd wieder in eine Hofraite, wo es nicht mehr weiterging. Es musste auf einer Miststätte Kehrt gemacht werden, wobei durch die Schwere der Insassen eine Kufe brach und alle drei im Schnee ein etwas kühles Wiedersehen begingen. Durch dieses neue Malheur wurden alle entmutigt und die beiden Meister waren nun gezwungen, in vorgerückter Stunde auf Schusters Rappen die Heimreise anzutreten. Der Fuhrmann aber und sein braunes Pferd mußten hier übernachten. Nachdem nun am anderen Morgen der Schlitten abermals ausgebessert war, trat der Fuhrmann wie ein verlassenes „Kind“ seine Heimreise an. Ja wenn jemand eine Reise tut…

 

 

Karl Luft - Historisches